Sind die anderen immer besser?

Sind die anderen immer besser?

Die erste große körperliche Herausforderung auf meinem Jakobsweg:  ein Berg (im nachheinein betrachtet, war es ein etwas größerer Hügel…)

Schnaufend schleppte ich mich nach oben, es war so ungewohnt, mit einem schweren Rucksack zu wandern. Aber schon bei meinem ersten Berg richtig losmeckern, das wollte ich dann doch nicht.

 

Schritt für Schritt war meine Devise.

Mach doch Pausen, es hetzt dich niemand – so meine eigene innere Aufmunterung. Nach einer Stunde habe ich mich an das Gewicht und die schwankende Gedankenwelt gewöhnt.  Nach einer weiteren Stunde (sag ich doch, es war nur ein Hügel…) war das Gipfelkreuz erreicht, inmitten einer wunderbaren Alm-Landschaft.

Stolz nahm ich den Rucksack ab und genoß die Aussicht. Hinter mir nahm ich keuchende Geräusche wahr. Es waren wohl noch weitere Pilger unterwegs, die sich hier hinaufgequält hatten. Ich drehte mich um, in der Hoffnung, weitere erschöpfte Pilger zu sehen.

 

Was ich aber sah, frustrierte mich tief

– es waren eine Frau und ein Mann, die hier hoch gejoggt sind. Sie klatschten sich ab, joggten locker um das Gipfelkreuz und verschwanden wieder im Wald um den Rückweg ebenfalls zu joggen..

Da stand ich nun – verschwitzt und müde und hungrig – von 2 Stunden Marsch bergauf, eine Strecke, die andere offensichtlich joggend eroberten. Schnell verließ ich diesen Ort – noch so eine “Niederlage” wollte ich nicht sehen.

 

Ist es nicht immer so?

Jemand anders kann alles besser, schneller, müheloser…

In meinem Business habe ich mich anfangs öfter mit anderen verglichen, hörte stumm zu, wenn von Erfolgen und weitreichenden Visionen gesprochen wurde. Und fühlte mich klein und unbedeutend. Manachmal bin ich einfach weggegangen, habe Netzwerk-Veranstaltungen verlassen und bin frustriert nach Hause gefahren. Ich war nicht bereit hinzuhören,  und schon gar nicht nachzufragen, sondern bewertete innerlich: mich ab und andere hob ich hoch, ohne zu wissen, was wirklich dahinter stand. Es blieb immer so ein bitterer Nachgeschmack und die Freude am eigenen Tun verblasste.

 

Ich habe meine eigenen Erfolge kleingeredet und mich dazu.

So wie es mir nicht gegönnt habe, mein erstes erzwungenes Gipfelkreuz in Spanien zu genießen.

Ich gönnte mir eine Pause und kam langsam zur Ruhe. Und Freude stieg in mir hoch – ich bin auf dem Weg, auch wenn es anstrengend ist….Und das Gedankenkarussel kam auch zur Ruhe und noch wichtiger, mein Humor nahm wieder seinen Platz ein.

Ich fing an, über mich zu lachen. War ich nicht hier, um mich besser kennenzulernen?

 

Bitteschön – hier war schon die nächste Erkenntnis:

Erfreu dich an dir selbst – nicht nur im Vergleich mit anderen.

 

Diese Vergleiche mit anderen – sie führen zu nichts, oder?

Naja, manchmal ist ein wenig Ansporn durch den Blick neben sich nicht schlecht. Oder es kommt Freude auf, über das bereits Geschaffte.

Aber sobald die Spirale nach unten führt ist es Zeit, mit den Vergleichen aufzuhören. Stimmt’s?

 

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