Die Welt – Artikel 26. Januar 2008 – zum Thema “Chaos im Büro”

Gepostet von am 12. Mrz 2008 in Presse | Keine Kommentare

Die Welt – Artikel 26. Januar 2008 – zum Thema “Chaos im Büro”
von Kirsten Schiekiera

 

Wer Unterlagen nicht griffbereit hat, eckt beim Chef und im Team an. Dabei ist Ordnung zu halten gar nicht so schwer.

Der eine richtet Locher, Hefter und Mappen parallel zu den Schreibtischkanten aus und spitzt vor dem Feierabend noch einmal alle Bleibstifte an, damit ihn am nächsten Morgen ein perfekt aufgeräumtes Ambiente empfängt. Bei den anderen biegen sich freie Flächen unter der Last von alten Zeitschriften, Müsliriegeln, Fotos, Briefen, mumifizierten Kakteen, Kaffeetassen, Rechnungen und Mahnungen.

Nun gut, die Zimmerpflanzen könnte man öfter gießen, aber sonst sei alles im Griff, behaupten bekennende Bürochaoten und setzen hinterher: “Ich finde mich hier gut zurecht”. Und schließlich wüsste man jam, dass jedem Chaos eine eigene Ordnung inne wohnen würde. Im Zweifelsfall folgende: “Alles was oben liegt, wird in den nächsten Tagen erledigt.”Zeige mir deinen Schreibtisch und ich sage dir, wer du bist?”

Menschen, die Probleme mit der Ordnung haben, sind oft in ihrem tiefsten Inneren Perfektionisten. Sie suchen nach einem optimalen Ordnungssystem und wollen sich nicht mit einer 80prozentigen Lösung zufrieden zu geben. Also lassen sie es ganz sein”, sagt Christa Beckers. Die Expertin für Büroorganisation aus Remscheid berät Firmen und Selbständige, bei denen beim Anblick ihres Schreibtisches schon lange kein Wohlgefühl mehr aufkommt. “Ob man ein ordentlicher Mensch ist oder nicht, ist letztlich auch eine Charakterfrage.”Auch das Informationszeitalter trägt seinen Teil dazu bei, Büroarbeiter unter Papierstapeln zu begraben. Broschüren, Flyer, Vorträge, alte Zeitungsartikel – alles könnte noch einmal wichtig werden. “Untersuchungen zeigen, dass maximal drei Prozent solcher zusammen gesammelten Informationsmaterialien später genutzt werden. Aufgehoben werden sie trotzdem”, meint Christa Beckers. “Papierstapel signalisieren Überforderung und hemmen die Kreativität. Ordnung ist schließlich ein menschliches Grundbedürfnis.” Und so hilft sie ihren Kunden klare Systeme in den Büroalltag zu integrieren. Zunächst verschwindet alles Überflüssige, anschließend werden sinnvolle Ablagestrukturen geschaffen, die an die Bedürfnisse der jeweiligen Menschen und Berufe angepasst sind. “Stehordner sind nicht immer die beste Lösung”, sagt Beckers. “Praktischer sind beispielsweise Rollcontainer mit Hängeregistraturen.” Dass Lose-Blatt-Sammlungen guten alten Ordnern überlegen sind, erklärt Christa Beckers damit, dass Schreibtisch-Chaoten einen heimlichen Widerstand gegen sämtliche Aufräumarbeiten aufbauen. Ihr innerer Schweinehund ist ein Faulpelz, der insgeheim genau das weiß, was die Ordnungsexpertin in exakten Zahlen auszudrücken vermag: “Um ein Papier in einem Ordner abzuheften, brauchen Sie zwölf bis 15 Handgriffe. Bei einer Hängeregistratur sind es nur drei bis fünf.”
Die Unordnung, das ist das Tückische an ihr, kommt ganz von alleine. Niemand muss etwas tun, damit sie sich im Büro breit macht, sie entsteht alleine durch die winzige Unterlassungssünde des Nicht-Aufräumens.

 

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