Rheinische Post

12. April 2003
von Andreas Cüppers
Die Ordnungshüterin
Die so genannten Ich-AGs sind derzeit in aller Munde. Christa Beckers hat sich schon vor drei Jahren selbständig gemacht. Mit Erfolg. Die 39-jährige bringt Ordnung in so manchen Arbeitsplatz - Als Organisationsberaterin.
Gesprächspartner von Christa Beckers sind in der Regel um einen ordentlichen Eindruck bemüht. "Viele räumen extra auf. Jemand kam mir sogar mal mit einem Staubsauger entgegen", erzählt die 39-Jährige. Dabei ist sie es doch eigentlich, die Ordnung macht. Die Geschäftsfrau aus Rheindahlen ist selbständige Organisationsberaterin, gründete vor drei Jahren ihre Firma "Organisation im Büro". "70 Prozent dessen, was bei manchen auf dem Schreibtisch liegt, kann eigentlich in den Müll", sagt sie. Ihr Sortierdienst soll Abhilfe schaffen. Der Kunde gibt ungeordnete Aktenordner ab und bekommt wenig später fein säuberlich beschriftete Aktenordner mit geordnetem Inhalt zurück. Das waren die Anfänge der selbständigen Tätigkeit von Christa Beckers.
Inzwischen bietet sie auch Beratung, Arbeitsplatzorganisation sowie Zeitmanagement an. Mehrmals im Jahr bietet die junge Unternehmerin Workshops an und gibt Tipps zur Organisation des Arbeitsplatzes - zunehmend in Zusammenarbeit mit Experten aus anderen Bereichen. "Der Kunde kann aus verschiedenen Bausteinen wählen, was er individuell benötigt", sagt Beckers. Am Anfang steht dabei stets das persönliche Gespräch, in dem die jeweiligen Ansprüche abgesprochen werden. "Vielfach muss ich nur kleine Veränderungen vornehmen, etwa von Aktenordnern auf Hängeregister umstellen."
Die gebürtige Österreicherin machte früher eine schulische Ausbildung zur Bürokauffrau, war danach als Eisläuferin unterwegs, als Au-Pair in den USA und arbeitete nach der Zwischenstation Südafrika in Deutschland im gastronomischen Bereich. Seit 1985 lebt sie mit dem Ehemann und zwei Kindern in Mönchengladbach. "Ich war in vielen verschiedenen Branchen tätig und stets bemüht, dort Transparenz zu schaffen", meint sie. Daraus entstand letztlich die Idee der selbständigen Organisationsberaterin. Im Jahr 2000 wagte sie schließlich den Schritt.
Heute gehören zu ihren Kunden Chefsekretärinnen großer Firmen, Professoren aber auch Privatleute. Etwa der nach Australien ausgewanderte Kunde, der plötzlich seine Steuererklärung abgeben sollte. Das Problem: Er hatte Rechnungen, Kontoauszüge und Versicherungsunterlagen in der Heimat zurückgelassen. Christa Beckers brachte Ordnung in das Chaos und die benötigten Unterlagen zum Steuerberater. Die Kosten für den Organisations- und Ordnungsdienst sind je nach Kundenwunsch verschieden - der Neu-Australier zahlte für die Ruhe vorm Finanzamt 300 Euro.
Rund eine Stunde Zeitgewinn pro Woche, so Beckers' Rechnung, lässt sich durch leichte Veränderungen für den Kunden erzielen. "Bei vielen merkt man anschließend eine richtige Erleichterung", erzählt die 39-Jährige, stellt aber gleichzeitig auch klar: "Den perfekten Arbeitsplatz gibt es nicht, und ich bin auch keine Perfektionistin oder Pedantin. Ich biete Lösungen an, mit denen der Betreffende gut leben kann."